10. Dezember 2020 •

• Lesezeit 5 Minuten

Ein Interview mit Andre ten Wolde von Domino’s Pizza

Zwölf Jahre lang war Andre ten Wolde der oberste Boss von Domino’s Pizza in den Niederlanden und Belgien. Voriges Jahre wechselte er von dieser Funktion auf die Position des operativen Leiters von Domino‘s in Europa. Wir sprechen an einem der wenigen Tage mit ihm, die er „zuhause“ in den Niederlanden ist.

„Thuisbezorgd.nl* ist ein wichtiger Vertriebskanal für uns.“


Domino’s konzentriert sich in erster Linie auf eine schnelle Lieferung. Wie wichtig ist die Lieferzeit für den Erfolg von Domino‘s?
„Die Qualität der Pizza ist und bleibt das Wichtigste, aber die Lieferzeit hat natürlich auch einen großen Einfluss darauf. Denn je kürzer die Pizza unterwegs ist, desto schmackhafter bleibt sie. Es geht uns also nicht so sehr darum, dass der Kunde seine Pizzen superschnell bekommt, sondern vor allem darum, dass wir eine leckere Mahlzeit liefern.“

Lässt sich bei der Zubereitung Ihrer Pizzas noch Zeit einsparen?
„Wir könnten die Zubereitung einem Roboter überlassen, wie das in Amerika bereits geschieht. Aber wir lassen die Pizzas lieber von Menschenhand machen. Wir könnten uns auch für vorgefertigte Pizzaböden entscheiden, um die Zubereitung zu beschleunigen. Aber Böden aus frischem Teig schmecken einfach besser, also verzichten wir darauf. Wir bereiten die Pizzas bereits auf sehr effiziente Art zu, da lässt sich also nicht mehr wirklich viel Zeit sparen. Obendrein führt eine schnellere Produktion wahrscheinlich nicht zu einem besseren Produkt. Bei einer schnelleren Lieferung sieht das hingegen anders aus.“

Gefährdet der Fokus auf eine schnelle Lieferung nicht die Sicherheit der Pizzaboten?
„Ganz bestimmt nicht. Wir verlangen nicht von ihnen, schneller zu fahren, sondern sorgen dafür, dass sie es nicht so weit haben. Außerdem werden all unsere Pizzaboten ausgiebig geschult und verfügen über GPS. Damit können wir nicht nur sehen, wo sie sich befinden, sondern auch, ob sie schnell fahren oder plötzlich bremsen.“

Das Finden und Behalten von Lieferboten ist für viele Restaurants mit Lieferdienst eine Herausforderung. Wie geht Domino‘s das Problem an?
„Eine gute Arbeitsatmosphäre ist für die Mitarbeiter wichtiger als ein Euro mehr pro Stunde. Um die Manager bei der Schaffung so einer guten Atmosphäre zu unterstützen, bieten wir ihnen zum Beispiel eine Schulung an, die ihnen dafür Hilfestellung gibt. Obendrein haben wir ein Belohnungssystem eingeführt, das gut funktioniert. Auch die Möglichkeit zur Weiterentwicklung ist wichtig, damit es für die Mitarbeiter interessant bleibt. Die CEOs von Belgien, Deutschland und Frankreich haben zum Beispiel einst als Pizzaboten bei Domino‘s angefangen. Danach sind sie Franchisenehmer geworden und inzwischen eben CEO.“



Gesunde Ernährung wird für die Menschen immer wichtiger, und trotzdem wächst Domino’s weiterhin. Wie geht das?
„Indem wir auf die Nachfrage der Kunden reagieren. Wir haben zum Beispiel alle künstlichen Aromen, Farb- und Duftstoffe aus unseren Speisen entfernt. Auch die Salz- und Zuckermenge wurde kräftig reduziert. Obendrein ist der Teig für die Böden und die Tomatensauce zu hundert Prozent vegan, womit sie sich für praktisch jeden eignen. Es gibt eine große Auswahl an frischen Belägen, womit wir allen Diätwünschen entsprechen können. Außerdem stehen auch einige glutenfreie Pizzas auf der Speisekarte. Pizza wird oft in Gruppen gegessen. Es empfiehlt sich also, ‚für jeden Geschmack etwas‘ anzubieten.“

Das Mittagessen wird für immer mehr Restaurants zu einer wichtigen Mahlzeit. Gilt das auch für Domino‘s?
„Die Mittagsbestellungen steigen stark an! Vor 5 Uhr nachmittags bieten viele Filialen zum Beispiel auch Sandwiches und Obstsmoothies an. Trotzdem wird am häufigsten immer noch Pizza bestellt, auch fürs Mittagessen. Außerdem sehen wir, dass die Bestellungen später am Abend zunehmen, insbesondere in Großstädten. Das ist für viele Menschen die Zeit für einen Snack.“

Domino‘s experimentiert schon seit Jahren mit Lieferrobotern, und in Australien arbeiten Sie bereits mit einem Pizzachecker, um die Qualität der Pizzas zu kontrollieren. Wie sieht die Zukunft der Mahlzeiten von Lieferdiensten Ihrer Ansicht nach aus?
„Was die Lieferroboter anbetrifft: Wir haben nicht die Absicht, die Pizzaboten durch Roboter zu ersetzen. Aber der Markt für Lieferdienste wächst so schnell, dass es bald einfach nicht mehr genug Zusteller gibt, um alle Mahlzeiten auszuliefern. Momentan erlauben die Gesetze es noch nicht, Lieferroboter einzusetzen, aber das wird sich in der Zukunft wahrscheinlich ändern. Außerdem werden die Bestellungen über andere Geräte als Laptop und Telefon zunehmen, zum Beispiel per Smartwatch, Fernseher oder den Monitor in Ihrem Auto. Und es lässt sich noch einiges gewinnen, wenn wir die Online-Bezahlung einfacher machen. Das kostet die Kunden momentan noch zu viel Zeit.“

Die Menschen können auch über Ihre eigene Plattform bestellen. Warum ist Domino’s dann auch auf Thuisbezorgd.nl gelistet?
„Weil es eine große Gruppe von Menschen gibt, die nur über Thuisbezorgd.nl bestellen. Wenn wir dort fehlen, entgehen uns viele Bestellungen. Zum Beispiel denken viele Leute nicht sofort an Domino’s, wenn sie Mittagessen bestellen wollen. Bis sie durch die Restaurantliste blättern und uns dort antreffen. Thuisbezorgd.nl ist ein wichtiger Vertriebskanal für uns“.

*Lieferando.at in den Niederlanden